GESCHICHTE
In den 40er- und 50er-Jahren betonte Dr. André Repond, damaliger Direktor des psychiatrischen Spitals von Malévoz in Monthey, in seinen jährlichen Berichten, dass im Wallis Bedarf nach einer Institution für geistig behinderte Kinder bestehen würde. Er stützte sich dabei auf die von Walliser Familien an die Sozialdienste gerichteten Anfragen und auf die Tatsache, dass für die Platzierung dieser Personen auf die Dienste anderer Kantone zurückgegriffen werden musste. Sein Nachfolger, Dr. Norbert Benoziglio, führte eine erste Studie durch, um ein (wie es damals genannt wurde) Zentrum für schwere Oligophrenie zu schaffen. Am 4. Oktober 1964 nahm das Walliser Volk mit einer grossen Mehrheit die Gewährung eines Kredits für den Bau dieses Zentrums an.
Bei seinem Amtsantritt als neuer Direktor des psychiatrischen Spitals in Monthey griff Dr. Jean Rey-Bellet das Projekt wieder auf, um es zu vertiefen. Er stellte klar, dass es möglich sei, geistig behinderten Kindern eine angepasste Erziehung und Unterricht, sowie eine therapeutische und medizinische Unterstützung zu bieten, um die Entwicklung und Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu fördern. Ein neues Projekt für 150 Kinder wurde ausgearbeitet, basierend auf dem Bericht vom 25. Oktober 1968 über die Probleme von beeinträchtigten Kindern im Wallis. Ausserdem bemühte sich die 1962 gegründete Elternvereinigung im Einvernehmen mit den Behörden, Strukturen ins Leben zu rufen, die behinderten Personen Ausbildung und angepasste Pflege ermöglichten.
Aus diesen Überlegungen entsprang die Verwirklichung eines medizinisch-erzieherischen Zentrums in Monthey, dessen Projekt vom BSV am 6. November 1968 und vom Walliser Volk am 20. April 1969 angenommen wurde. Die Bauarbeiten wurden noch im selben Jahr in Angriff genommen und am 18. September 1972 war das Zentrum bezugsbereit.
1971 wurde Frau Simone Reichenbach zur Direktorin der Institution ernannt. Ihre erste Aufgabe bestand darin, die Räumlichkeiten einzurichten, ein Mitarbeiterteam zusammenzustellen, das medizinisch-erzieherische Programm auszuarbeiten und eine Form der Zusammenarbeit mit den Familien zu finden. Die ersten Mitarbeitenden kamen am 11. September 1972 in La Castalie zu einer Einführungswoche zusammen. Die offizielle Einweihung fand am 20. Juni 1973 in Anwesenheit der kirchlichen und weltlichen Behörden statt.
1975 wurde eine Eltern/Heim-Gruppe gegründet, um Fragen von gemeinsamem Interesse zu erörtern. Die von der Direktion und einem Elternteil gemeinsam geleitete Gruppe setzte sich aus Eltern und Vertretern des Personals zusammen.
Die Entwicklung des Sonderschulunterrichts, der Rückgang der Geburtenrate, die Vorbeugung von Behinderungen und die Qualität der Pflege veränderten rasch den Belegungsgrad der Institution. 1974 war der Kinderanteil am höchsten, danach ging er zugunsten der Erwachsenen, die anderswo keinen Platz fanden, zurück. Das Niveau entwickelte sich ebenfalls weiter und führte vermehrt zur Aufnahme von Personen mit Verhaltensstörungen, schweren physischen Behinderungen oder Mehrfachbehinderungen.
1979 wurde eine Klasse in eine Beschäftigungswerkstatt umgewandelt und eine Ausbildung für junge Erwachsene geschaffen, mit Weiterführung der Schulausbildung und gleichzeitiger Vorbereitung auf die Arbeit in der Werkstatt. Später wurden noch andere Klassen in Werkstätten oder in pädagogisch-erzieherische Einheiten umgewandelt.
1986 erhielt La Castalie den Auftrag, eine Abteilung für Erwachsene zu eröffnen, die intensiv medizinisch-erzieherisch betreut werden müssen.
Parallel dazu erhielt La Castalie die nötigen Kredite für die Renovierung all ihrer Gebäude und den Bau der Werkstätten von Champvert. Diese Arbeiten wurden 1992 abgeschlossen.
1989 eröffnete La Castalie in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Monthey einen therapeutischen Kindergarten im Rahmen des Kindergartens La Tonkinelle, damit Kleinkinder mit Schwierigkeiten in den Genuss einer besonderen Betreuung innerhalb einer Regelklasse kommen können.
Am 20. Juni 1992 feierte La Castalie ihren zwanzigsten Geburtstag. Am 28. August verabschiedete sie sich von ihrer ersten Direktorin, Frau Simone Reichenbach, die durch Herrn Michel Giroud ersetzt wurde.
1993 übernahm La Castalie Le Torrent, einen Pavillon des psychiatrischen Spitals von Malévoz, spezialisiert auf die Betreuung von geistig behinderten Erwachsenen, die erhebliche medizinisch-psychiatrische Pflege benötigen. Dank dieser Übernahme müssen die behinderten Personen nicht mehr im Spital bleiben, ausser bei einer akuten Behandlung. Dies entspricht auch dem Wunsch der ärztlichen Direktoren, welche die Gründung von La Castalie geplant hatten.
1997 eröffnete La Castalie einen ambulanten physiotherapeutischen Dienst.
1998 übernahm La Castalie die Aktivitäten des Vereins Alphalogic und gründete unter demselben Namen ein Kompetenzzentrum mit dem Ziel, die Schaffung und Anwendung von Informatikmitteln zu Diensten von Personen mit einer geistigen Behinderung oder Mehrfachbehinderung zu fördern.
2003 schloss der therapeutische Kindergarten La Tonkinelle seine Pforten und La Castalie eröffnete in der Villa des Mangettes einen neuen Kindergarten mit identischen Zielen, nämlich Kleinkindern mit Schwierigkeiten zu erlauben, innerhalb einer Regelklasse besonders betreut zu werden.
2004 vergrösserte sich La Castalie um ein Werkstattgebäude, wodurch die Aufnahmekapazität um 10 Beherbergungsplätze, 10 Beschäftigungsplätze (Werkstatt) und 10 Ausbildungsplätze erhöht werden konnte. Das vom das Büro Delaloye Architectes Associés in Martinach entworfene Gebäude ist vollkommen barrierefrei gebaut und passt sich somit den Bedürfnissen von Personen an, die sich im Rollstuhl fortbewegen. Am 12. November 2004 wurde das Gebäude in Anwesenheit des Bischofs von Sitten, Mgr Brunner, den Staatsräten Thomas Burgener, Jean-Jacques Rey-Bellet und des Präsidenten von Monthey, Fernand Mariétan, eröffnet. Durch die Verwirklichung dieses Gebäudes wurden überdies Räume frei, in welche die Einheit des Torrent am 13. Dezember 2004 verlegt werden konnte, die aus Platzmangel bis dahin in einem Pavillon des psychiatrischen Spitals von Malévoz untergebracht werden musste.
Am 22. August 2005 eröffnete La Castalie in Sitten eine Tagesstätte für fünf mehrfach behinderte Erwachsene. Diese Struktur befindet sich in den Räumlichkeiten der Schule La Bruyère. Durch diese Auslagerung kann eine Betreuung angeboten werden, die an die Bedürfnisse der Personen, die nicht in die Institutionen des Mittelwallis gehören und deren Eltern sie nicht (oder zumindest nicht sofort) in einem Internat unterbringen wollen, angepasst ist.
Das Jahr 2007 stand für das Ende einer langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem BSV und den IV-Stellen. Aufgrund der Neugestaltung der Aufgabenteilung zwischen dem Bund und den Kantonen (NFA) gingen der gesamte Sonderschulbereich und die Betreuung behinderter Personen vom Bund zu den Kantonen über. Auf administrativer Ebene hatte das enorme Auswirkungen, da die Institution ab dem 1. Januar 2008 keine Bundesbeiträge mehr erhielten und ihre gesamte Finanzierung daher über den Kanton ablaufen muss, nämlich über das Amt für Sonderschulwesen für die Kinder und über die Dienststelle für Sozialwesen für die Erwachsenen. Auf Ebene der Betreuung blieb indes alles beim Alten.
Im August 2008 hatte sich die Aufnahmekapazität der Tagesstätte von Sitten verdoppelt. Im August 2010 wurde das Zentrum nach Siders in gemietete Räumlichkeiten im Institut Notre-Dame de Lourdes verlegt. Dadurch konnte gleichzeitig eine 12-plätzige Einheit in völlig neuen Räumlichkeiten geschaffen werden, die perfekt an die Bedürfnisse des Betreuungsbedarfs angepasst sind.
Am 1. Januar 2012 änderte die Institution ihre Rechtsform und wurde zu einer selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt mit einer neuen Direktorin: Martine Pfefferlé ersetzte Michel Giroud, der seinerseits zum Präsidenten des Verwaltungsrats ernannt wurde. Die Aufgabe der Institution wurde gestärkt, da sie fortan im neuen Artikel 4bis des Gesetzes über die Eingliederung behinderter Menschen (GEBM) verankert ist, das vom Walliser Grossen Rat am 12. Mai 2011 einstimmig angenommen wurde.
Das Jahr 2012 mit all seinen Neuerungen ist gleichzeitig das Jahr des 40-jährigen Jubiläums von La Castalie - ein guter Anlass, um schöne Begegnungen zu organisieren, auf den bereits zurückgelegten Weg zu schauen und die Tätigkeiten zu überdenken, damit man sich gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft stellen kann.
Diese Entwicklung konnte nicht ohne den Einsatz und das Mitdenken der Mitarbeitenden und der Familien stattfinden. So kann jeder Person, die in La Castalie aufgenommen wird, tagtäglich ein Lebensort, der ihre Entfaltung begünstigt, und ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Programm geboten werden.